Freitag, 2. Juli 2010

Future Subjunkies


Dialektik der Aufklärung? Was ich sehe ist tiefe Finsternis, ist ein düsteres Gemälde voller Hass, Neid und Gier. Alles strebt nach Macht, nach Anerkennung. Nietzsche! Wir sind scheinbar frei, aber die Freiheit wird zum Diktat, zum Kampfgebiet. Unsere Erwartungen machen uns zu entmündigten, getriebenen Glücksmaschinen.

Es fehlt an Stille, an Kontemplation. Alles strebt, vibriert, ist ständiger Informationsflut ausgesetzt, ohne dass Information noch irgendeinen Unterschied machen würde. Neurosis. Dieses Leben macht uns krank - allesamt! Hillenkamp. Die unendlichen Sex-, Drogen- und Erfolgsmöglichkeiten machen den freien Menschen unfrei. Selbstzerstörung und Selbstverbesserung - eine Dialektik des freien unfreien kapitalistischen Nutzenmaximierers?

Am Ende bleibt der Wandel nur Illusion, leere Hülle für ein falsches Leben. Doch was ist "richtiges" Leben? Unter der Oberfläche erscheint unser ach so modernes Dasein, unsere ach so emanzipierte Gesellschaft zwanghaft, barbarisch, substanzlos. Konsum ersetzt Sublimation, Inszinierung Erleben. Jenseits des Mythos liegt das Reich der Distinktion. Auch welcher Seite stehst du?

Donnerstag, 3. Juni 2010

Montag, 31. Mai 2010

Essentielle Musikvideos Teil 4



Rollins Band - Liar (1994)

you think you're going to live your life alone
in darkness and seclusion... yeah, I know
you've been out there and tried to mix with those animals
and it just left you full of humiliated confusion
so you stagger back home and wait for nothing
but the solitary refinement of your room spits you back onto the streets
and now you're desperate and in need of human contact
and then you meet me and your whole world changes
because everything I say is everything you've ever wanted to hear
so you drop all you defenses, and you drop all your fears and you trust me
completely, I'm perfect in every way
'cause I make you feel so strong and so powerful inside
you feel so lucky
but your ego obscures reality that you never bothered to
wonder why things are going so well
you want to know why?

'cause I'm a liar, yeah, I'm a liar
I'll tear (rip) your mind up, I'll burn your soul
I'll turn you into me, I'll turn you into me
'cause I'm a liar, a liar, a liar, a liar...

I'll hide behind a smile and understanding eyes
and I'll tell you things that you already know so you can say:
I really identify with you, so much
and all the time that you're needing me is just the time
that I'm bleeding you, don't you get it yet?
I'll come to you like an affliction then I'll leave you like an addiction
you'll never forget me... you wanna know why?

I don't know why I feel the need to lie and cause you so much pain
maybe it's something inside, maybe it's something I can't explain
'cause all I do is mess you up and lie to you
I'm a liar, ooh, I'm a liar
but if you'll give me another chance I swear I'll never lie to you again
'cause now I see the destructive power of a lie,
they're stronger than truth
I can't believe I ever hurt you, I swear I will never lie to you again
please, just give me more chance, I'll never lie to you again, no,
I swear, I will never tell a lie, I will never tell a lie, no, no
Ha Ha Ha Ha Ha Ha Ha Ha Ha! Sucker! Sucker! Sucker!

I am a liar, yeah, I am a liar, yeah, I am a liar
I lie you, I feel good, I am a liar, yeah
I lie I lie I lie I lie ooh, I lie, yeah, I lie
I'm a liar, I lie, I like it, I feel good, I like it, and again
I like it again and I'll keep lying, I'll promise

aus dem Album: Rollins Band - Weight

Dienstag, 18. Mai 2010

السلام عليكم و رحمة الله و بركاته،
Kristallner Aschenbecher,
gefüllt bis an den Rand.
Aus dem Staub wächst Zweifel -
postmoderne Freiheitssuche.

Zug um Zug zerfällt das Ganze,
reiches Leben, voller Glanz.
Doch fehlt der klare Blick im Chaos.
Unerkannt bleibt unser Streben.

Dienstag, 11. Mai 2010

Sonntag, 4. April 2010

Wölfe mitten im Mai

Eine Moritat von Franz Josef Degenhardt von seinem zweiten Album Spiel nicht mit den Schmuddelkindern aus dem Jahre 1965. Hier der Text zur Musik:

August, der Schäfer, hat Wölfe gehört,
Wölfe mitte im Mai
- zwar nur zwei -
doch der Schäfer, der schwört,
sie hätten zusammen das Fraßlied geheult,
das aus früherer Zeit,
und er schreit,
und sein Hut ist verbeult.
Schreit: "Rasch, holt die Sensen, sonst ist es zu spät.
Schlagt sie tot, noch ehe der Hahn dreimal kräht."
Doch wer hört schon auf einen alten Hut
und ist auf der Hut - und ist auf der Hut.

August der Schäfer, ward niemehr gesehn,
nur sein alter Hut
voller Blut
schwamm im Bach. Cirka zehn
hat dann später das Dorfhexenkind
nachts im Steinbruch entdeckt,
blutbefleckt
und die Schnauzen im Wind.
Dem Kind hat die Mutter den Mund zugehext,
hat geflüstert: "Bist still oder du verreckst.
Wer den bösen Wolf nicht vergißt, mein Kind,
bleibt immer ein Kind - bleibt immer ein Kind."

Schon schnappten Hunde den Wind, und im Hag
rochen Rosen nach Aas.
Kein Schwein fraß.
Eulen jagten am Tag.
Hühner verscharrten die Eier im Sand,
Speck im Fang wurde weich,
aus dem Teich
krochen Karpfen an Land.
Da haben die Greise zahnlos gelacht
gezischelt: "Wir haben´s gleich gesagt.
Düngt die Felder wieder mit altem Mist,
sonst ist alles Mist - sonst ist alles Mist."

Dann, zu Johannis, beim Feuertanz
-keiner weiß heut mehr wie-
waren sie
plötzlich da. Aus Geäst
sprangen sie in den Tanzkreis; zu schnell
bissen Bräute ins Gras,
und zu blaß
schien der Mond; aber hell,
hell brannte Feuer aus trockenem Moos,
brannte der Wald bis hinunter zum Fluß.
"Kinder, spielt, vom Rauch dort wissen wir nichts
und riechen auch nichts - und riechen auch nichts."

"Jetzt kommen Zeiten, da heißt es, heraus
mit dem Gold aus dem Mund.
Seid klug und
wühlt euch Gräben ums Haus.
Gebt eure Töchter dem rohesten Knecht,
jenem, der auch zur Not
nicht nur Brot
mit den Zähnen aufbricht."
So sang der verschmuddelte Bauchladenmann
und pries Amulette aus Wolfszähnen an.
"Wickelt Stroh und Stacheldraht um den Hals
und haltet den Hals - und haltet den Hals."

Was ist dann doch in den Häusern passiert?
Bisse in Balken und Bett.
Welches Fett
hat den Rauchfang verschmiert?
Wer gab den Wölfen die Kreide, das Mehl,
stäubte die Pfoten weiß?
Welcher Geiß
glich dem Ziegengebell?
Und hat sich ein siebentes Geißlein versteckt?
Wurden Wackersteine im Brunnen entdeckt?
Viele fragen, die nur einer hören will,
der stören will - der stören will.

Doch jener Knecht mit dem Wildschweingebrech
-heut ein Touristenziel-
weiß, wieviel
da geschah. Aber frech
hockt er im Käfig, frißt Blutwurst und lacht,
wenn man ihn fragt. Und nur
Schlag Null Uhr
zur Johannisnacht,
wenn von den Bergen das Feuerrad springt,
die Touristenschar fröhlich das Fraßlied singt,
beißt er wild ins Gitter und schreit: "Schluß mit dem Lied,
´s ist ein garstig Lied - ´s ist ein garstig Lied."

August, der Schäfer, hat Wölfe gehört,
Wölfe mitten im Mai
-mehr als zwei-
doch der Schäfer, der schwört,
sie hätten zusammen das Fraßlied geheult,
das aus früherer Zeit,
und er schreit,
und sein Hut ist verbeult.
Schreit: "Rasch, holt die Sensen, sonst ist es zu spät.
Schlagt sie tot noch ehe der Hahn dreimal kräht."
Doch wer hört schon auf einen alten Hut
und ist auf der Hut - und ist auf der Hut.

Freitag, 26. März 2010

Slavoj Žižek über die Ideologie der Toilette


 
“In a traditional German toilet, the hole into which [excrement] disappears after we flush is right at the front, so that [it] is first laid out for us to sniff and inspect for traces of illness. In the typical French toilet, on the contrary, the hole is at the back, i.e. [excrement] is supposed to disappear as quickly as possible. Finally, the American (Anglo-Saxon) toilet presents a synthesis, a mediation between these opposites: the toilet basin is full of water, so that the [excrement] floats in it, visible, but not to be inspected. As it happens, Zizek’s scatological metaphor is a reflection, “in the most intimate domain”, as he puts it, of a famous “triad” that has long shaped European politics . Hegel, among many others, noted that the chief German attitude toward life was “reflective thoroughness”, while the predominant French attitude is “revolutionary hastiness”, and the English is “utilitarian pragmatism”. In politics, these play out as “German conservatism, French revolutionary radicalism, and English liberalism”. (Satdeep Gill über Žižek)

Montag, 15. März 2010

Blues run the game

In den Tiefen der Geschichte lassen sich immer wieder zu Unrecht vergessene Künstler entdecken, die für einen kurzen Moment am Horizont aufleuchteten, zeitlose, unerhörte Meisterwerke hinterließen, um dann so schnell wieder zu verglühen, wie sie erstrahlten. Der im Jahre 1999 verstorbene Jackson C. Frank war mit Sicherheit - leider - einer von ihnen. Sein lange Zeit vergriffenes, selbstbetiteltes und einziges Album aus dem Jahre 1965 ist inzwischen, zusammen mit einer Menge zusätzlichen Materials, neu aufgelegt worden (auch bei Last.FM in voller Länge verfügbar) und sei hiermit wärmstens empfohlen.

Milk and Honey

Gold and silver is the autumn
Soft and tender are her skies
Yes and no are the answers
Written in my true love's eyes

Autumn's leaving and winter's coming
I think that I'll be moving along
I've got to leave her and find another
I've got to sing my heart's true song

Round and round the burning circle
All the seasons: one, two, and three
Autumn comes and then the winter
Spring is born and wanders free

Gold and silver burn my autumns
All too soon they'd fade and die
And then, oh there are no others
Milk and honey were their lies

(Jackson C. Frank, 1965)

Sonntag, 7. März 2010

Think.

Distortion. Despair. Destroy. Deconstruction. Dispatches. Disillusion.
Revolt. Repair. Reconstruct. React. Reinvent. Recreate. Restrain.
Feel. Fill. Fool. Free. Fear. Fly.
Amaze. Attract. Attend. Affair. Appeal.
Sing. Stop. Stand. Stare. See. Sign. Suck.
It. Is. Illuminated. Intellectual. Indifferent.
Nothing. Never. No. Nearly. Never.
Hurt. Hear. Have. Hitler. Hunger. Heal. Heart.


Words. Will. Weep. Wonder. War. Whenever. We. Want. White. Winter. Wall.
Believe. Boring. Bills. Be. Beverage. Bright.

Montag, 22. Februar 2010

Atom

Das Zerbröseln der Struktur,
der Verlust der klaren Sicht,
Welt zerspringt, zerfällt, zerbricht.

Straßen voller Fehlversuche,
Farben, Töne und Gerüche -
verflucht, verschwunden und vergessen.

Hier ist dort ist nirgendwo,
ist Welt, ist All, ist schwarzes Loch,
Mensch entwischt, enfleucht, entschwunden.

Montag, 15. Februar 2010

Sonntag, 7. Februar 2010

Wirrwar

Vertrauter Klang des Monotonen,
ein Knarzen, Knacken, Kratzen, Keuchen,
die Idee, das Wort, die Sprache thronen,
drängen drastisch - kein Entfleuchen!

Aus all dem Wust wird wirres Surren,
Namen schwirren durch den Raum,
ein Motzen, Kichern, lautes Murren -
wer hält die Wortgefechte noch im Zaum?

Montag, 18. Januar 2010

Essentielle Musikvideos Teil 3

Bob Dylan - Subterranean Homesick Blues (1965)

Johnny's in the basement
Mixing up the medicine
I'm on the pavement
Thinking about the government
The man in the trench coat
Badge out, laid off
Says he's got a bad cough
Wants to get it paid off
Look out kid
It's somethin' you did
God knows when
But you're doin' it again
You better duck down the alley way
Lookin' for a new friend
The man in the coon-skin cap
In the big pen
Wants eleven dollar bills
You only got ten

Maggie comes fleet foot
Face full of black soot
Talkin' that the heat put
Plants in the bed but
The phone's tapped anyway
Maggie says that many say
They must bust in early May
Orders from the D. A.
Look out kid
Don't matter what you did
Walk on your tip toes
Don't try "No Doz"
Better stay away from those
That carry around a fire hose
Keep a clean nose
Watch the plain clothes
You don't need a weather man
To know which way the wind blows

Get sick, get well
Hang around a ink well
Ring bell, hard to tell
If anything is goin' to sell
Try hard, get barred
Get back, write braille
Get jailed, jump bail
Join the army, if you fail
Look out kid
You're gonna get hit
But users, cheaters
Six-time losers
Hang around the theaters
Girl by the whirlpool
Lookin' for a new fool
Don't follow leaders
Watch the parkin' meters

Ah get born, keep warm
Short pants, romance, learn to dance
Get dressed, get blessed
Try to be a success
Please her, please him, buy gifts
Don't steal, don't lift
Twenty years of schoolin'
And they put you on the day shift
Look out kid
They keep it all hid
Better jump down a manhole
Light yourself a candle
Don't wear sandals
Try to avoid the scandals
Don't wanna be a bum
You better chew gum
The pump don't work
'Cause the vandals took the handles

Sonntag, 17. Januar 2010

Hier ist kein Trost

Keiner wird mein Wegrand sein.
Laß deine Blüten nur verblühen.
Mein Weg flutet und geht allein.

Zwei Hände sind eine zu kleine Schale.
Ein Herz ist ein zu kleiner Hügel,
um dran zu ruhn.
Du, ich lebe immer am Strand
und unter dem Blütenfall des Meeres,
Ägypten liegt vor meinem Herzen,
Asien dämmert auf.

Mein einer Arm liegt immer im Feuer.
Mein Blut ist Asche. Ich schluchze immer
vorbei an Brüsten und Gebeinen
den tyrrhenischen Inseln zu:

Dämmert ein Tal mit weißen Pappeln
ein Ilyssos mit Wiesenufern
Eden und Abraham und eine Erde
aus Nihilismus und Musik.

(Gottfried Benn)

Montag, 4. Januar 2010

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Montag, 28. Dezember 2009

Flüchtige Notizen I

26. Juni 2001:

Handke. Das Bewusstsein des Gemeinschaftsgefühls und der Verantwortung „für’s eigene Land“ waren Kennzeichen des Faschismus wie des (real existierenden) Sozialismus. In einer Demokratie sterben jene Motive nach kurzer Zeit mangels klarer Identifikationsmöglichkeiten aus. Das ganze Leben wird kategorisiert – man existiert nicht mehr als Ich – alles sind Typen und Temperamente (oder Rassen). Man fühlt sich trotzdem frei, weil man, in diesem Schema einmal zurechtgefunden, Verantwortung von sich schieben kann:„Er ist halt ein verzogener Bauernlümmel“. Das Leben wird oberflächlich und langweilig, aber auch sicher und beherrschbar. Heimat? Apres-Skis die heutigen Dorffeste? Plötzlich ist man fast klassenlos, fühlt sich stark, Hauptsache man ist gesellig…

Nochmals Handke: „Das beweist nichts; ist jeder Beweiskraft entzogen durch das Vorteile-Nachteile-Denken, das böseste der Lebensprinzipien (…) - als Nachteil, der wiederum nichts als eine notwendige Eigenheit jedes Vorteils ist (…) Die Vorteile waren in der Regel nur mangelnde Nachteile: (…) kein Getrenntsein vom Haus und von den Kindern. Die tatsächlichen Nachteile wurden also durch die fehlenden aufgehoben (…); vor Mitgefühl für den anderen von ihr getrennten, fühlte sie sich selber nie einsam.“

Peter Handke - Wunschloses Unglück (1974)

Samstag, 26. Dezember 2009

Vergängliche Kunst

Was Ksenya Simonova hier mit ein wenig Vulkansand entstehen lässt ist mehr als beachtlich. Doch seht selbst:


Montag, 7. Dezember 2009

Rudi Dutschke im Gespräch mit Günter Gaus

Politische Diskussionen im Fernsehen? Zum Wegschalten! Statt über Themen wird über Personen, statt über Positionen wird über Zugehörigkeiten gestritten, nein, polemisiert. Dass auch zwischen politisch weit auseinanderliegenden Positionen ein sachliches Fernsehgespräch möglich ist, zeigt dieses gut vierzig Jahre alte Interview zwischen Günter Gaus - einem der besten Journalisten Deutschlands, Chefredakteur des Spiegels von 1969 und 1973, erster Ständiger Vertreter der Bundesrepublik in der DDR und Wegbereiter der Entspannungspolitik, nach der Wende und bis zu seinem Tod Herausgeber des Freitag - und Rudi Dutschke, intellektuellem Kopf und Sprachrohr der revolutionären Studentenschaft.

Auch wenn vieles heutzutage etwas antiquiert klingen mag, und manchem schlauen linken Studenten Widersprüche in der Argumentation Dutschkes hätten auffallen müssen, so wird dem geneigten Zuschauer im Laufe des Gesprächs doch auch die Faszination dieser Person (gerade für Studenten) und der gegen ihn entstandene Hass (in großen Teilen der Bevölkerung) verständlicher. Sprache und Duktus bleiben stets akademisch, und Dutschke hat sichtlich Freude daran, seine Positionen vor einem intellektuell ebenbürtigen Gesprächspartner zu verteidigen. Seine Sätze sind meistens druckreif, oft verschachtelt und voller marxistischer Termini, welche seine Gedanken sehr elaboriert, aber wenig verständlich erscheinen lassen.

Und wenn er sich noch so sehr von Lenin, Stalin und dem ganzen Staatsozialismus abzugrenzen versucht, so benötigt er doch für seine Utopie eine Avantgarde, die intellektuell fähig und bereit ist, ihn zu verstehen und ihm zu folgen. Auf die kritischen, völlig berechtigten Fragen von Gaus, gibt er keine praktisch politischen, sondern philosophisch analytische Antworten. Er ist sich der Gefahren seiner Utopie durchaus bewusst - Dutschke war beleibe kein verblendeter, orthodoxer Marxist, was sein klares Bekenntnis zum Christentum verdeutlicht - blieb aber letztlich doch gefangen in einem Denksystem, das die Realität von der Philosophie und nicht umgekehrt die Philosophie von der Realität aus betrachtet.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Der junge Tom Waits...

...hatte schon ein erstaunlich gut entwickeltes Konzept seiner Künstlerfigur - und gehört bis heute zu den wenigen Musikern, die trotz Erfolg immer selbstbestimmt blieben, sich nicht an gängige Hörgewohnheiten anpassten, sondern sich von ihnen entfernten und einen sehr eigen(willig)en Stil entwickelten und es dabei nie an Humor und Selbstironie mangeln ließen.

Sonntag, 22. November 2009

Krautrock - The rebirth of a nation


Vor gut vierzig Jahren begab sich eine ganze Reihe von Musikern in Deutschland auf der Suche nach neuen musikalischen Ausdrucksformen jenseits angloamerikanischer Rockmusik, aber auch in Abgrenzung zur Nachkriegspopulärmusik der Bundesrepublik, um etwas zu erschaffen, das bis heute nur schwer einzuordnen ist. Die britische Musikpresse verpasste diesen doch so unterschiedlichen Bands wie Can, Faust, Amon Düül oder Kraftwerk das wenig aussagekräftige Etikett Krautrock. Was diese Bands damals erschufen, beeinflusste noch Generationen von Musikern - jedoch nur außerhalb von Deutschland. Seltsamerweise war ihr Einfluss auf die deutsche Musikszene wenig nachhaltig. BBC ging dem Phänomen des Krautrock unlängst in einer Dokumentation nach und bastelte daraus die These der Wiedergeburt der deutschen Nation aus dem Schoße des Krautrock. Auch wenn hier der Einfluss des Krautrock auf die Entwicklung Deutschlands maßlos überschätzt wurde, so ist der Film doch kurzweilig und recht aufschlussreich:

 Krautrock - The rebirth of a nation

Montag, 16. November 2009

Meadow Meal


Faust - Meadow meal (1971)

Me is a meadow meal
and the guess I get it
and the gate I get it
and the game I get it
a wonderful wooden reason
to stand in line keep in line
line up
crash the sound
you lose your hand
to understand
the accident is red

you are a fruit fork
and the money you look up
and the madame you look up
and the middle you look up
a wonderful wooden reason
to stand in line keep in line
line up
crash the sound
you lose your hand
to understand
the accident is red

aus dem Debütalbum FAUST (1971)

Donnerstag, 5. November 2009

Zwischenruf

All die vollgestopften Taschen,
all die schönen, bunten Bilder,
all die noch nicht zerbrochnen Flaschen,
all die großen, grellen Schilder

sind nicht mehr als luftge Blasen,
diese Welt ist mehr als hohl.
Worte, Töne, Bilder rasen -
im Überfluss lebt es sich wohl.

Wer braucht schon Geist in dieser Welt,
in der sich alles kaufen lässt?
Alles was sie braucht ist Geld,
daraus ergibt sich dann der Rest.

Die Stille ist uns unerträglich,
sie ist uns wie ein kleines Sterben,
der Wirtschaft ist sie nicht zuträglich,
drum kauft, verkauft, lasst euch bewerben!

Dienstag, 3. November 2009

Essentielle Musikvideos Teil 2

Die Goldenen Zitronen - 0:30 Gleiches Ambiente (1996)
Regisseure: Ted Gaier/Deborah Schamoni

Hey, kühles Hemd
Ah, du kennst die?
Ja irgendwie, der Sänger geht immer in den selben Lebensmittelladen wie ich
Echt, das ist kühl
Du magst also auch Musik, was?
Ja ich liebe Musik
Auf was für Musik stehst du?
Alle Sorten
Also ich mag Easy-Listening
Ja, ich auch, Easy-Listening ist echt geil
Wohnst du hier in der Gegend
Ja, praktisch um die Ecke, ist ne gute Gegend zu wohnen
Ich mag es
Ich auch
Apropos, ich heiße Thomas
Hallo Thomas, ich bin Stefan
Nett dich kennenzulernen
Auch nett dich kennenzulernen
Weißt du was komisch ist? Hier ist dienstags immer ziemlich leer
Echt?
Diese Kneipe erinnert mich an eine Kneipe in meiner Heimatstadt
Echt? Das ist interessant
Ja, echt verrückt
Was machst du so?
Ich bin in der Werbung
Oh wow, das ist stark
Ja, ich mag Menschen
Ich auch, ich liebe Menschen
Kommst du oft hierher?
Jaja
Ich dachte ich hab' dein Gesicht schon mal gesehen hier
Kennst du vielleicht Katrin?
Kann sein
Wow, das ist super, ich liebe dieses Lied
Moby hat echt eine tolle Stimme

Hast du den neuen Quentin Tarantino schon gesehen?
Ja, ich mag Filme
Ernsthaft? Ich auch, ich leihe mir oft Filme aus
Wow, ich auch
Hör mal, ich muss jetzt los
Es war toll, sich mit dir zu unterhalten
Ja, es war nett dich kennengelernt zu haben
Nimm's locker, man!

Montag, 2. November 2009

Lichtspiel Opus IV (1925)

Der vierte Teil der experimentellen Lichtspiele des für Berlin -Sinfonie einer Großstadt bekannten Experimentalfilmers Walter Ruttmann (1925).