Dienstag, 18. Mai 2010
Dienstag, 11. Mai 2010
Sonntag, 4. April 2010
Wölfe mitten im Mai
Eine Moritat von Franz Josef Degenhardt von seinem zweiten Album Spiel nicht mit den Schmuddelkindern aus dem Jahre 1965. Hier der Text zur Musik:August, der Schäfer, hat Wölfe gehört,
Wölfe mitte im Mai
- zwar nur zwei -
doch der Schäfer, der schwört,
sie hätten zusammen das Fraßlied geheult,
das aus früherer Zeit,
und er schreit,
und sein Hut ist verbeult.
Schreit: "Rasch, holt die Sensen, sonst ist es zu spät.
Schlagt sie tot, noch ehe der Hahn dreimal kräht."
Doch wer hört schon auf einen alten Hut
und ist auf der Hut - und ist auf der Hut.
August der Schäfer, ward niemehr gesehn,
nur sein alter Hut
voller Blut
schwamm im Bach. Cirka zehn
hat dann später das Dorfhexenkind
nachts im Steinbruch entdeckt,
blutbefleckt
und die Schnauzen im Wind.
Dem Kind hat die Mutter den Mund zugehext,
hat geflüstert: "Bist still oder du verreckst.
Wer den bösen Wolf nicht vergißt, mein Kind,
bleibt immer ein Kind - bleibt immer ein Kind."
Schon schnappten Hunde den Wind, und im Hag
rochen Rosen nach Aas.
Kein Schwein fraß.
Eulen jagten am Tag.
Hühner verscharrten die Eier im Sand,
Speck im Fang wurde weich,
aus dem Teich
krochen Karpfen an Land.
Da haben die Greise zahnlos gelacht
gezischelt: "Wir haben´s gleich gesagt.
Düngt die Felder wieder mit altem Mist,
sonst ist alles Mist - sonst ist alles Mist."
Dann, zu Johannis, beim Feuertanz
-keiner weiß heut mehr wie-
waren sie
plötzlich da. Aus Geäst
sprangen sie in den Tanzkreis; zu schnell
bissen Bräute ins Gras,
und zu blaß
schien der Mond; aber hell,
hell brannte Feuer aus trockenem Moos,
brannte der Wald bis hinunter zum Fluß.
"Kinder, spielt, vom Rauch dort wissen wir nichts
und riechen auch nichts - und riechen auch nichts."
"Jetzt kommen Zeiten, da heißt es, heraus
mit dem Gold aus dem Mund.
Seid klug und
wühlt euch Gräben ums Haus.
Gebt eure Töchter dem rohesten Knecht,
jenem, der auch zur Not
nicht nur Brot
mit den Zähnen aufbricht."
So sang der verschmuddelte Bauchladenmann
und pries Amulette aus Wolfszähnen an.
"Wickelt Stroh und Stacheldraht um den Hals
und haltet den Hals - und haltet den Hals."
Was ist dann doch in den Häusern passiert?
Bisse in Balken und Bett.
Welches Fett
hat den Rauchfang verschmiert?
Wer gab den Wölfen die Kreide, das Mehl,
stäubte die Pfoten weiß?
Welcher Geiß
glich dem Ziegengebell?
Und hat sich ein siebentes Geißlein versteckt?
Wurden Wackersteine im Brunnen entdeckt?
Viele fragen, die nur einer hören will,
der stören will - der stören will.
Doch jener Knecht mit dem Wildschweingebrech
-heut ein Touristenziel-
weiß, wieviel
da geschah. Aber frech
hockt er im Käfig, frißt Blutwurst und lacht,
wenn man ihn fragt. Und nur
Schlag Null Uhr
zur Johannisnacht,
wenn von den Bergen das Feuerrad springt,
die Touristenschar fröhlich das Fraßlied singt,
beißt er wild ins Gitter und schreit: "Schluß mit dem Lied,
´s ist ein garstig Lied - ´s ist ein garstig Lied."
August, der Schäfer, hat Wölfe gehört,
Wölfe mitten im Mai
-mehr als zwei-
doch der Schäfer, der schwört,
sie hätten zusammen das Fraßlied geheult,
das aus früherer Zeit,
und er schreit,
und sein Hut ist verbeult.
Schreit: "Rasch, holt die Sensen, sonst ist es zu spät.
Schlagt sie tot noch ehe der Hahn dreimal kräht."
Doch wer hört schon auf einen alten Hut
und ist auf der Hut - und ist auf der Hut.
Freitag, 26. März 2010
Slavoj Žižek über die Ideologie der Toilette
Montag, 15. März 2010
Blues run the game
Milk and Honey
Gold and silver is the autumn
Soft and tender are her skies
Yes and no are the answers
Written in my true love's eyes
Autumn's leaving and winter's coming
I think that I'll be moving along
I've got to leave her and find another
I've got to sing my heart's true song
Round and round the burning circle
All the seasons: one, two, and three
Autumn comes and then the winter
Spring is born and wanders free
Gold and silver burn my autumns
All too soon they'd fade and die
And then, oh there are no others
Milk and honey were their lies
(Jackson C. Frank, 1965)
Sonntag, 7. März 2010
Think.
Distortion. Despair. Destroy. Deconstruction. Dispatches. Disillusion.
Revolt. Repair. Reconstruct. React. Reinvent. Recreate. Restrain.
Feel. Fill. Fool. Free. Fear. Fly.
Amaze. Attract. Attend. Affair. Appeal.
Sing. Stop. Stand. Stare. See. Sign. Suck.
It. Is. Illuminated. Intellectual. Indifferent.
Nothing. Never. No. Nearly. Never.
Hurt. Hear. Have. Hitler. Hunger. Heal. Heart.
Montag, 22. Februar 2010
Atom
der Verlust der klaren Sicht,
Welt zerspringt, zerfällt, zerbricht.
Straßen voller Fehlversuche,
Farben, Töne und Gerüche -
verflucht, verschwunden und vergessen.
Hier ist dort ist nirgendwo,
ist Welt, ist All, ist schwarzes Loch,
Mensch entwischt, enfleucht, entschwunden.
Montag, 15. Februar 2010
Sonntag, 7. Februar 2010
Wirrwar
ein Knarzen, Knacken, Kratzen, Keuchen,
die Idee, das Wort, die Sprache thronen,
drängen drastisch - kein Entfleuchen!
Aus all dem Wust wird wirres Surren,
Namen schwirren durch den Raum,
ein Motzen, Kichern, lautes Murren -
wer hält die Wortgefechte noch im Zaum?
Montag, 18. Januar 2010
Essentielle Musikvideos Teil 3
Bob Dylan - Subterranean Homesick Blues (1965)
Johnny's in the basement
Mixing up the medicine
I'm on the pavement
Thinking about the government
The man in the trench coat
Badge out, laid off
Says he's got a bad cough
Wants to get it paid off
Look out kid
It's somethin' you did
God knows when
But you're doin' it again
You better duck down the alley way
Lookin' for a new friend
The man in the coon-skin cap
In the big pen
Wants eleven dollar bills
You only got ten
Maggie comes fleet foot
Face full of black soot
Talkin' that the heat put
Plants in the bed but
The phone's tapped anyway
Maggie says that many say
They must bust in early May
Orders from the D. A.
Look out kid
Don't matter what you did
Walk on your tip toes
Don't try "No Doz"
Better stay away from those
That carry around a fire hose
Keep a clean nose
Watch the plain clothes
You don't need a weather man
To know which way the wind blows
Get sick, get well
Hang around a ink well
Ring bell, hard to tell
If anything is goin' to sell
Try hard, get barred
Get back, write braille
Get jailed, jump bail
Join the army, if you fail
Look out kid
You're gonna get hit
But users, cheaters
Six-time losers
Hang around the theaters
Girl by the whirlpool
Lookin' for a new fool
Don't follow leaders
Watch the parkin' meters
Ah get born, keep warm
Short pants, romance, learn to dance
Get dressed, get blessed
Try to be a success
Please her, please him, buy gifts
Don't steal, don't lift
Twenty years of schoolin'
And they put you on the day shift
Look out kid
They keep it all hid
Better jump down a manhole
Light yourself a candle
Don't wear sandals
Try to avoid the scandals
Don't wanna be a bum
You better chew gum
The pump don't work
'Cause the vandals took the handles
Sonntag, 17. Januar 2010
Hier ist kein Trost
Laß deine Blüten nur verblühen.
Mein Weg flutet und geht allein.
Zwei Hände sind eine zu kleine Schale.
Ein Herz ist ein zu kleiner Hügel,
um dran zu ruhn.
Du, ich lebe immer am Strand
und unter dem Blütenfall des Meeres,
Ägypten liegt vor meinem Herzen,
Asien dämmert auf.
Mein einer Arm liegt immer im Feuer.
Mein Blut ist Asche. Ich schluchze immer
vorbei an Brüsten und Gebeinen
den tyrrhenischen Inseln zu:
Dämmert ein Tal mit weißen Pappeln
ein Ilyssos mit Wiesenufern
Eden und Abraham und eine Erde
aus Nihilismus und Musik.
(Gottfried Benn)
Montag, 4. Januar 2010
Mittwoch, 30. Dezember 2009
Montag, 28. Dezember 2009
Flüchtige Notizen I
Handke. Das Bewusstsein des Gemeinschaftsgefühls und der Verantwortung „für’s eigene Land“ waren Kennzeichen des Faschismus wie des (real existierenden) Sozialismus. In einer Demokratie sterben jene Motive nach kurzer Zeit mangels klarer Identifikationsmöglichkeiten aus. Das ganze Leben wird kategorisiert – man existiert nicht mehr als Ich – alles sind Typen und Temperamente (oder Rassen). Man fühlt sich trotzdem frei, weil man, in diesem Schema einmal zurechtgefunden, Verantwortung von sich schieben kann:„Er ist halt ein verzogener Bauernlümmel“. Das Leben wird oberflächlich und langweilig, aber auch sicher und beherrschbar. Heimat? Apres-Skis die heutigen Dorffeste? Plötzlich ist man fast klassenlos, fühlt sich stark, Hauptsache man ist gesellig…
Nochmals Handke: „Das beweist nichts; ist jeder Beweiskraft entzogen durch das Vorteile-Nachteile-Denken, das böseste der Lebensprinzipien (…) - als Nachteil, der wiederum nichts als eine notwendige Eigenheit jedes Vorteils ist (…) Die Vorteile waren in der Regel nur mangelnde Nachteile: (…) kein Getrenntsein vom Haus und von den Kindern. Die tatsächlichen Nachteile wurden also durch die fehlenden aufgehoben (…); vor Mitgefühl für den anderen von ihr getrennten, fühlte sie sich selber nie einsam.“
Peter Handke - Wunschloses Unglück (1974)
Samstag, 26. Dezember 2009
Vergängliche Kunst
Montag, 7. Dezember 2009
Rudi Dutschke im Gespräch mit Günter Gaus
Mittwoch, 2. Dezember 2009
Der junge Tom Waits...
...hatte schon ein erstaunlich gut entwickeltes Konzept seiner Künstlerfigur - und gehört bis heute zu den wenigen Musikern, die trotz Erfolg immer selbstbestimmt blieben, sich nicht an gängige Hörgewohnheiten anpassten, sondern sich von ihnen entfernten und einen sehr eigen(willig)en Stil entwickelten und es dabei nie an Humor und Selbstironie mangeln ließen.
Sonntag, 22. November 2009
Krautrock - The rebirth of a nation

Krautrock - The rebirth of a nation
Montag, 16. November 2009
Meadow Meal
Faust - Meadow meal (1971)
Me is a meadow meal
and the guess I get it
and the gate I get it
and the game I get it
a wonderful wooden reason
to stand in line keep in line
line up
crash the sound
you lose your hand
to understand
the accident is red
you are a fruit fork
and the money you look up
and the madame you look up
and the middle you look up
a wonderful wooden reason
to stand in line keep in line
line up
crash the sound
you lose your hand
to understand
the accident is red
aus dem Debütalbum FAUST (1971)
Donnerstag, 5. November 2009
Zwischenruf
all die schönen, bunten Bilder,
all die noch nicht zerbrochnen Flaschen,
all die großen, grellen Schilder
sind nicht mehr als luftge Blasen,
diese Welt ist mehr als hohl.
Worte, Töne, Bilder rasen -
im Überfluss lebt es sich wohl.
Wer braucht schon Geist in dieser Welt,
in der sich alles kaufen lässt?
Alles was sie braucht ist Geld,
daraus ergibt sich dann der Rest.
Die Stille ist uns unerträglich,
sie ist uns wie ein kleines Sterben,
der Wirtschaft ist sie nicht zuträglich,
drum kauft, verkauft, lasst euch bewerben!
Dienstag, 3. November 2009
Essentielle Musikvideos Teil 2
Die Goldenen Zitronen - 0:30 Gleiches Ambiente (1996)
Regisseure: Ted Gaier/Deborah Schamoni
Hey, kühles Hemd
Ah, du kennst die?
Ja irgendwie, der Sänger geht immer in den selben Lebensmittelladen wie ich
Echt, das ist kühl
Du magst also auch Musik, was?
Ja ich liebe Musik
Auf was für Musik stehst du?
Alle Sorten
Also ich mag Easy-Listening
Ja, ich auch, Easy-Listening ist echt geil
Wohnst du hier in der Gegend
Ja, praktisch um die Ecke, ist ne gute Gegend zu wohnen
Ich mag es
Ich auch
Apropos, ich heiße Thomas
Hallo Thomas, ich bin Stefan
Nett dich kennenzulernen
Auch nett dich kennenzulernen
Weißt du was komisch ist? Hier ist dienstags immer ziemlich leer
Echt?
Diese Kneipe erinnert mich an eine Kneipe in meiner Heimatstadt
Echt? Das ist interessant
Ja, echt verrückt
Was machst du so?
Ich bin in der Werbung
Oh wow, das ist stark
Ja, ich mag Menschen
Ich auch, ich liebe Menschen
Kommst du oft hierher?
Jaja
Ich dachte ich hab' dein Gesicht schon mal gesehen hier
Kennst du vielleicht Katrin?
Kann sein
Wow, das ist super, ich liebe dieses Lied
Moby hat echt eine tolle Stimme
Hast du den neuen Quentin Tarantino schon gesehen?
Ja, ich mag Filme
Ernsthaft? Ich auch, ich leihe mir oft Filme aus
Wow, ich auch
Hör mal, ich muss jetzt los
Es war toll, sich mit dir zu unterhalten
Ja, es war nett dich kennengelernt zu haben
Nimm's locker, man!
Montag, 2. November 2009
Lichtspiel Opus IV (1925)
Sonntag, 1. November 2009
"Politikverachtung der Politik"
Dass die erste Amtshandlung von Minister Niebel, der bisher eher durch seinen schmierigen Gebrauchtwagenverkäufercharme als durch ernst zu nehmende politische Positionen oder gar Erfolge auffiel, nun das Beenden jeglicher Entwicklungszusammenarbeit mit Indien und China sein wird, ist mehr als fatal - und zwar in ökonomischer wie symbolischer Hinsicht.
Auch wenn das enorme Wirtschaftswachstum etwas anderes vermittelt: China und Indien sind weiterhin die beiden Länder, in denen die Mehrheit der Armen dieser Erde leben. Daher erscheint Entwicklungszusammenarbeit auch weiterhin sinnvoll, und zwar für beide Seiten. Denn es ist nicht zuletzt die deutsche Wirtschaft, die am Ende profitiert, zumal der überwiegende Teil der (nicht gerade üppigen) für technische und ökologische Zusammenarbeit verwendeten Gelder ohnehin den dort angestellten Deutschen zukommt. Dass gerade die Liberalen der zukünftige ökonomische Vorteil einer Zusammenarbeit mit aufstrebenden Wirtschaftsnationen entgangen zu sein scheint, sagt einiges über den Zustand des Liberalismus in der FDP.
Davon abgesehen könnte die Bundesregierung mit einer solch brüsken Beendigung den beiden, von enormen innenpolitischen Herausforderungen geplagten Ländern symbolisieren, dass sie deren Probleme nicht mehr für relevant erachte und in Zukunft nur noch mit dem Zeigefinger Politik betreiben möchte anstatt konkrete Unterstützung zu gewähren. Es bleibt zu hoffen, dass auch ein Dirk Niebel an seinem Amt wachsen kann. Denn um dieses strategisch wichtige Ministerium den Spielereien eines Populisten zu überlassen, ist es schlichtweg zu wichtig.
Essentielle Musikvideos Teil 1
UNKLE - Rabbit in your headlight (1998)
Regisseur: Jonathan Glazer
I'm a rabbit in your headlights
Scared of the spotlight
You don't come to visit
I'm stuck in this bed
Thin rubber gloves
She laughs when she's crying
She cries when she's laughing
Fat bloody fingers are sucking your soul away...
(Away....away....away....)
I'm a rabbit in your headlights
Christian suburbanite
Washed down the toilet
Money to burn
Fat bloody fingers are sucking your soul away...
Rotworms on the underground
Caught between stations
Butterfingers
I'm losing my patience
I'm a rabbit in your headlights
Christian suburbanite
You got money to burn....
Fat bloody fingers are sucking your soul away.....
Away, away, away,
Away, away, away.