"Denn wenn man nicht sagen kann, dass man nicht meint, was man sagt, weil man dann nicht wissen kann, dass andere nicht wissen können, was gemeint ist, wenn man sagt, dass man nicht meint, was man sagt, kann man auch nicht sagen, dass man meint, was man sagt" (Luhmann)
No man is an island,
Entire of itself.
Each is a piece of the continent,
A part of the main.
If a clod be washed away by the sea,
Europe is the less.
As well as if a promontory were.
As well as if a manor of thine own
Or of thine friend's were.
Each man's death diminishes me,
For I am involved in mankind.
Therefore, send not to know
For whom the bell tolls,
It tolls for thee.
Wer gedacht hatte, das Internet würde Piratensendern die Grundlage entziehen, der dürfte überrascht sein, dass zumindest in der britischen Hauptstadt noch eine sehr lebendige Szene illegaler Radiosender existiert:
So lautet der Name einer Dokumentation von Miro Zownir über den im letzten Jahr verstorbenen Schauspieler und Straßenmusiker Bruno Schleinstein. Größere Bekanntheit erlangte er in den 70er Jahren durch die Hauptrolle im Werner Herzog-Film Jeder für sich und Gott gegen alle, blieb jedoch vielen Berlinern vor allem durch seine Auftritte als Straßenmusiker (für die er prinzipiell kein Geld verlangte) in Erinnerung. Es ist eine erstaunliche, bewegende Geschichte, die sein Leben erzählt: von der Mutter (einer Prostituierten) verstoßen, aufgewachsen in Heimen und Besserungsanstalten, als Experimentiermaterial missbraucht von den Nazis, geistig zurückgeblieben, durch Zufall entdeckt durch Werner Herzog, zeitlebens ein Außenseiter, ein misstrauischer, doch sehr wahrhaftiger Mensch mit einem sehr speziellen musikalischen Stil, einer Art Talking-Blues mit Versatzstücken aus der reichhaltigen Tradition Berliner Straßenlieder. Er konnte Sätze formulieren von erstaunlicher Klarheit und Tiefe, weil er die Abgründe dieser Gesellschaft wie kein Zweiter am eigenen Leib erfahren musste. Zownir gelingt es in seiner respektvollen Dokumentation, diesen eigenwilligen Menschen in seiner ganzen Tragik ein Stück weit verständlicher zu machen und die Erinnerung an ihn zu bewahren. Ausgesprochen sehenswert.
Hermann Scheer war eines jener seltenen Exemplare unter den deutschen Politikern, die sich einer Sache voll und ganz verschreiben, dafür den Verzicht auf machtvolle Positionen in Kauf nehmen, um sich am Ende durch Beharrlichkeit und Sachverstand im entscheidenden Moment schließlich doch noch durchzusetzen. Sein politisches Vermächtnis ist die Energiewende, die er stets in einem größeren Zusammenhang als dem rein ökonomischen verortete. Für ihn handelte es sich bei dieser Frage um nichts geringeres als einen energethischen Imperativ, so auch der Titel seines letzten, kurz vor seinem überraschenden Tod verfassten Buches. Wie kein Zweiter in diesem Lande verstand er die Lösung der Energiefrage als einen Schlüsselfrage, mit der eine Reihe weiterer Zukunftsfragen verknüpft sind.
In diesen Tagen, da die ganze Welt wieder einmal über die Zukunft der Atomenergie diskutiert und sich angesichts der Katastrophe von Fukushima daran erinnert, dass die Kernkraft, allen Beteuerungen der Betreiber zum Trotz, ein schwer kalkulierbares Risiko für die gesamte Menschheit darstellt, erscheint es mir daher um so wichtiger, an diesen unermüdlichen Kämpfer für eine zivile, dezentrale, friedliche Energiewende zu erinnern:
I. Dokumentation über Scheer von Democracy Now:
II. Rede im Bundestag zu: 10 Jahre EEG (26/2/2010)
Manchmal, da bricht das Leben über uns herein wie ein Donner, zumeist jedoch treibt es gemächlich wie ein mäandrierender Fluss. In jenen gewittrigen Momenten aber, in denen Zeit und Raum sich seltsam ineinander verschachteln, die tradierte Ordnung für kurze Zeit aus den Fugen gerät, da lässt sich die enorme Sprengkraft erahnen, die jenen Momenten innewohnt.
Es ist banal, aber nichtsdestotrotz völlig richtig, dass es individuelle Entscheidungen sind, welche die Welt – zumindest jene Welt, die der Mensch zu erfassen mag – stetig verändern und zugleich bewahren. Und stets hätte auch alles völlig anders kommen können. Die letzten Gründe unserer Entscheidungen sind für uns meist selbst nicht nachzuvollziehen und wir neigen daher, aus reinem Selbstschutz, dazu, sie zu rationalisieren.
Die von all den kleinen Schritten ausgehende Dynamik, ist weder absehbar, noch zu kontrollieren. Der Mensch möchte immer alles geordnet, logisch und erklärbar haben, weshalb er allen Dingen nachvollziehbare Strukturen gibt, aus denen eine eigene Logik folgt, die aber ausschließlich daher so oft funktioniert, weil wir an eben diese Ordnung auch glauben.
Mit den „richtigen“ Gründen sind wir leicht zu überzeugen, wir benötigen die Berechenbarkeit des Alltags, um unser Leben bewältigen zu können. Doch ist nicht letztlich alles Zufall, Produkt vieler voneinander unabhängiger Faktoren? Die Strukturen, in die wir gestoßen werden, können wir uns schließlich nicht aussuchen – aber wie wir innerhalb dieser Strukturen unsere Rollen auslegen, bleibt, so scheint es, uns überlassen. Wobei: es gibt immer den oder die Anderen, auf die wir unsere Handlungen beziehen, die uns beeinflussen und die wiederum von Anderen beeinflusst wurden.
Ein buntes Gewirr, das so undurchschaubar ist, dass wir dazu neigen, den mäandrierenden Fluss als Paradies misszuverstehen, wo es doch die Blitze sind, auf die wir unsere Aufmerksamkeit richten sollten auf der Suche nach den Geheimnissen des Lebens. Und vielleicht ist es gerade das, was unser Leben lebenswert machen kann, und jede Anstrengung es zu lüften nicht nur müßig, sondern anmaßend. Aber da müsste man sich ja entscheiden…
In diesem Lande leben wir
wie Fremdlinge im eigenen Haus
Die eigne Sprache, wie sie uns
entgegenschlägt, verstehn wir nicht
noch verstehen, was wir sagen
die unsre Sprache sprechen
In diesem Lande leben wir wie Fremdlinge
In diesem Lande leben wir
wie Fremdlinge im eigenen Haus
Durch die zugenagelten Fenster dringt nichts
nichts wie gut das ist, wenn draußen regnet
noch des Windes übertriebene Nachricht
vom Sturm
In diesem Lande leben wir
wie Fremdlinge im eigenen Haus
Ausgebrannt sind die Öfen der Revolution
früherer Feuer Asche liegt uns auf den Lippen
kälter, immer kältre Kälten sinken in uns
Über uns ist hereingebrochen
solcher Friede!
solcher Friede
Solcher Friede.
"Lauft von Zuhause weg und geht zum Zirkus, lasst euch ein Tatoo machen, springt auf einen Zug. Pflanzt einen Garten und hortet die Samen. Heiratet, bekommt Kinder, tragt einen Hut. Lernt, wie man mit einer Ochsenpeitsche umgeht. Lügt nicht, betrügt nicht, stehlt nicht. Widmet euch der Aufgabe, die verschiedenen Aspekte eurer selbst in Einklang zu bringen. Bedenkt: das, worauf es ankommt, kann man fast nie sehen. Die Qualität der Zeit, die ihr mit jemandem verbringt, ist wichtiger als die Quantität ...und es gibt eine Menge Sachen, die man mit einem Wah-Wah-Pedal und einem Mikro machen kann." (Tom Waits)
Don't go to church on Sunday
Don't get on my knees to pray
Don't memorize the books of the Bible
I got my own special way
I know Jesus loves me
Maybe just a little bit more
I fall down on my knees every Sunday
At Zerelda Lee's candy store
Well it's got to be a chocolate Jesus
Make me feel good inside
Got to be a chocolate Jesus
Keep me satisfied
Well I don't want no Abba Zabba
Don't want no Almond Joy
There ain't nothing better
Suitable for this boy
Well it's the only thing
That can pick me up
Better than a cup of gold
See only a chocolate Jesus
Can satisfy my soul
When the weather gets rough
And it's whiskey in the shade
It's best to wrap your savior
Up in cellophane
He flows like the big muddy
But that's ok
Pour him over ice cream
For a nice parfait
Well it's got to be a chocolate Jesus
Good enough for me
Got to be a chocolate Jesus
Good enough for me
Well it's got to be a chocolate Jesus
Make me feel good inside
Got to be a chocolate Jesus
Keep me satisfied
Angesichts der aktuellen politischen Lage in der arabischen Welt scheint es mir angebracht, nochmals auf meine - zugegebenermaßen recht skizzenhaften - Gedanken bezüglich des Zusammenhangs von Demokratie und Islam und der Chancen einer Demokratisierung durch Intervention hinzuweisen, die ich bereits anno 2007 an dieser Stelle beschrieben habe und an denen sich in der Zwischenzeit recht wenig geändert hat.
Eine kleine Ergänzung sei mir jedoch erlaubt: An der grundsätzlichen Problematik der Doppelmoral westlicher Demokratien, die Werte einfordern, die sie selbst in dieser Region (aufgrund mehr oder weniger berechtigter Sicherheitsbedenken) nicht einzuhalten imstande sind, hat sich leider wenig geändert. Es fehlt wohl nicht an Beratern, die das Potenzial der regional sehr unterschiedlichen Situationen langfristig korrekt einzuschätzen wissen, sondern am politischen Willen, diese auch in den politischen Prozesse zu integrieren. Leider scheint sich dies im Fall des ägyptischen Aufstandes wieder einmal zu bestätigen, da EU wie USA zu zögerlich reagierten. Das Fenster, so Joshua Stacher, ist wieder geschlossen und das ägyptische Regime sitzt wieder fest im Sattel.
Ergänzung II: Die Beharrlichkeit und Friedfertigkeit des ägyptischen Volkes hat sich inzwischen ausgezahlt und zum Rücktritt des Präsidenten geführt. Ob jedoch das System an sich so wandlungsfähig und -bereit ist, wie sich die Demonstrierenden das erhoffen, bleibt angesichts der Kräfteverhältnisse fraglich.
Sonntag, 6. Februar 2011
Als der Tyrann starb,
wurde die Trauer ausgerufen.
Und es kamen viele
zum Begräbnis:
Der Dichter pries seine Sanftmut.
Der Priester lobte seine Güte.
Der Richter sprach von seiner Milde.
Der General rühmte seine Klugheit.
Der Denker unterstrich seine Notwendigkeit.
Der Büttel würdigte seine Geduld.
Nur der Henker war verhindert.
Er mußte auch an diesem Tag
sein Brot verdienen.
Langour rises reaching, to turn off the alarm
And there's never so much seething
That it can't be disarmed
You just stop it up,
Pass it on
Shove it to shelf it,
To leave it off and turnover
Lounging against your weapons,
Until your muscles find lock
In the ease of that position,
A residue of tremor passes
As some cherie amour suggests
That maybe it was time to smash things up
But just stop it up,
Pass it on
Shove it to shelf it,
To lead it on and turnover
I'm only sleeping
KLATSCHEND schlagen des Vogels Schwingen,
Stößt er gegen des Käfigs vier Wände.
Elend und grau lebt der Gelehrte in einer engen
Gasse;
Einem Schatten anhangend, haust er in leerer Hütte.
Geht er aus, weiß er doch nicht, wohin.
Dornen und Disteln versperren ihm jeglichen Pfad.
Seine Pläne mißraten und werden zunichte,
Gestrandet bleibt er zurück wie ein Fisch im
trockenen Teich.
Draußen - nicht einen Heller Gehalt;
Drinnen - nicht ein Korn in der Kammer.
Seine Verwandten verachten ihn für sein Versagen,
Die Gefährten und Freunde verhalten sich täglich
kühler.
Su Ch'in durchzog im Triumphe den Norden,
Li Ssu wurde Premierminister im Westen;
In plötzlichem Glanz erglomm ihres Ruhmes Blüte,
Doch ebenso schnell welkte sie hin und verging.
Tränke man auch aus dem Strom, mehr als des Leibes
Maß kann man nicht fassen;
Sein Genügen zu haben ist gut, Übersättigung sinnlos.
Der Vogel im Walde kann nur auf einem Zweige sich
wiegen,
Und dieses Vorbild sollte der Weise sich wählen.
Neurosis sind unbestritten eine der großartigsten Bands der letzten beiden Jahrzehnte, doch nicht jeder schafft es, in ihren dunklen Kosmos durchzudringen. Und auch wenn es in der musikalischen Entwicklung von Neurosis durchaus zugänglicheres gibt (wie Crawl back in), so dominiert doch weithin das Abgründige von Through Silver in Blood. Steve von Till, hauptberuflich übrigens Grundschullehrer, ist einer der beiden Sänger der Band und eher dem Melodiösen zugewandt. Dies ließ sich jedoch bei Neurosis nie so recht verwirklichen, weshalb er der Welt drei Soloalben geschenkt hat, die jeglicher Aggression entbehren und stattdessen in ruhigen Songwritergefilden beheimatet sind. Wenn die Lieder dabei auch der Größe, Erhabenheit und epischen Tiefe von Neurosis entbehren, so bleiben doch wunderbare, tief in der amerikanischen Tradition verwurzelte, leise, intime Stücke, so wie dieses hier:
You don't believe what you don't see
Each grain of sand beneath the sea
You have no faith in a dream
Fade into the landspace, unseem
In a field of weeds, killing time
A winding river rushes by
All the while you seem to be going blind
A cold numb grey in your eyes
Breathe in, breathe deep
A lifetime is too long to sleep
Staring at lightning won't keep you warm
You hear the thunder, but can't get out of the storm
Growing weak and thin
This has to end where it begins
Waiting for winter's first snow
To cover your tracks, so no-one will know
That you ever lived, or ever lied
You wouldn't give, never tried
No words worth air ever sound
From a flightless bird, bound to the ground
Breathe in, breathe deep
A lifetime is too long to sleep
Staring at lightning won't keep you warm
You hear the thunder, but can't get out of the storm
Die Bekämpfung von Armut und sozialer Ungleichheit (weltweit, aber v.a. in den Entwicklungsländern) ist eine der größten Herausforderungen, vor denen die Menschheit in den nächsten Jahrzehnten steht. Dabei gibt es momentan zwei erfolgreiche Modelle: eines ist (sozial-)demokratisch (Brasilien), das andere autoritär-staatskapitalistisch (China). Über letzteres wird, gerade hierzulande, schon genug geschrieben, aufgrund der undemokratischen Verhältnisse gilt es jedoch selten als nachahmenswertes Entwicklungsmodell. Stattdessen schauen die meisten Beobachter mit einer Mischung aus Angst und Respekt auf den zukünftigen Hegemon aus dem Osten.
Brasilien hingegen erfreut sich einer ungleich größeren Beliebtheit und gilt zunehmend als DAS aufstrebende Entwicklungsmodell. Kein Land (außer China) hat es in so kurzer Zeit geschafft, so viele Menschen aus der Armut zu befreien. Von zentraler Bedeutung war dabei eines der erfolgreichsten Sozialprogramme der Geschichte namens Bolsa Familia. Es stammt ursprünglich aus Mexico und Programme dieser Art existieren inzwischen in mehr als 40 Ländern rund um den Globus. Sein Prinzip ist so simpel wie einleuchtend: "To Beat Back Poverty, Pay The Poor" (Tina Rosenberg).
In der Praxis sieht das dann so aus: Bedürftige Familien bekommen vom Staat eine bescheidene finanzielle Unterstützung, sofern sie sich dazu verpflichten, ihre Kinder in die Schule zu schicken und sich regelmäßiger Gesundheitsvorsorge zu unterziehen. Das Programm leistet so zugleich kurzfristige finanzielle Armutsfürsorge wie langfristige Armutsvorsorge. In Brasilien hat sich dank Bolsa Familia das Einkommen der Ärmsten zwischen 2003 und 2009 versiebenfacht, Kinderarbeit wurde massiv reduziert, und auch wenn sie immer noch viel zu hoch ist, so nimmt die Ungleichheit doch mehr ab als in fast jedem anderen Land der Erde... während die Wirtschaft seit Jahren rasant wächst! Für die Entwicklung der anderen Entwicklungsländer bedeutet dies zweierlei: Es ist 1. auch heute noch möglich, demokratisch zu sein UND reich zu werden, sowie 2. einen Sozialstaat aufzubauen UND die Wirtschaft zu entwickeln.
Die SPD diskutiert wieder über die Zukunft - zumindest tut sie das, was sie darunter versteht. Ein Beitrag von Sigmar Gabriel in der FAZ von heute sollte beleuchten, was die Sozialdemokratie unter diesem Begriff heute zu verstehen vorgibt. Er basiert auf einem Entwurf für ein Fortschrittsprogramm von Gabriel, Steinmeier und Nahles. Auf Grundlage dieses Textes soll nun während der Jahresauftaktklausur über eine programmatische Weiterentwicklung diskutiert werden. Das Dilemma des Artikels ist dabei zugleich das der SPD.
1. Der Partei mangelt es an Glaubwürdigkeit. Weite Teile des Entwurfes arbeiten sich ab an den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten beiden Jahrzehnte. So berechtigt die Kritik an den Zuständen auch sein mag (gerade für eine linke Partei), so war es doch die real existierende Sozialdemokratie, welche die Politik in der Bundesrepublik zwischen 1998 und 2009 maßgeblich prägte.
2. Wenn Gabriel konkret wird, so ist er daher nur allzu oft mit der Korrektur der SPD-Regierungspolitik beschäftigt: Seien es die Einkommenssteuersätze, die erhöht werden sollen, die Rente mit 67, die in Frage gestellt wird, die beklagte Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse oder auch die Reregulierung der Finanzmärkte - all dies kommt nicht von ungefähr.
3. Den Fortschritt ins Zentrum der Betrachtung zu stellen (und nicht etwa Begriffe wie Gerechtigkeit, Solidarität oder Fairness, womit Gabriel ja geliebäugelt hatte), ist so klug wie riskant. Klug, weil er derzeit von keiner politischen Kraft besetzt wird und nicht mit Angst, sondern Vertrauen operiert. Riskant, weil der Begriff so diffus und daher missverständlich ist. Auch die Lektüre wirkt dabei wenig erhellend und man wird den Verdacht nicht los, dass hier nur alter Wein in neue Schläuche gegossen werden soll.
4. Es ist begrüßenswert, dass in der SPD wieder über die Zukunft geredet wird, doch was der Vorsitzende als Diskussionsgrundlage vorlegt, ist so oder ähnlich (und meist prägnanter) auch in den Papieren der grünen (Nachhaltigkeit und Wachstumskritik) und linken Konkurrenz (Emanzipation) zu finden. Um die Führerschaft im linken Lager wieder zu erlangen, ist das bedeutend zu wenig. Man mag Gabriel zugute halten, dass er nicht den Populisten gibt (der ihm durchaus zuzutrauen wäre), dafür sind ihm die Mühen der Regierungszeit wohl noch zu präsent. Er macht sich immerhin auf den Weg zu einer Wiederbelebung der sozialdemokratischen Idee, der gute Wille ist ihm nicht abzusprechen. Etwas anderes bliebe ihm auch gar nicht übrig. Doch der gute Wille allein wird nicht genügen, um die Entwicklung der SPD zu einer Intellektuellenpartei a.D. zu stoppen.
Ein Bild aus besseren Tagen?
P.S. Wer das ganze 43 Seiten starke Fortschrittsprogramm lesen möchte findet das hier.
Hartz IV ist wieder einmal zurück auf dem Verhandlungstisch der Parteien und damit auch der Diskurs über Sinn und Unsinn dieses monströsen sozialstaatlichen Paradigmenwechsels. Welch wunderliche Blüten dieses System treibt, ist nicht zuletzt dank Albrecht Müller bestens dokumentiert. Auch Hans-Jürgen Urban hat in den aktuellen Blättern die negativen Arbeitsmarkteffekte einmal mehr herausgearbeitet. Wenn laut offiziellen Angaben der Bundesagentur für Arbeit nicht einmal 15 Prozent der Ein-Euro-Jobber nachher in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis landen und inzwischen jeder fünfte Beschäftigte im Niedriglohnsektor arbeitet, muss in diesem System etwas ganz grundlegend falsch laufen. Was jedoch Eva Müllers Reportage "Die Armutsindustrie" zu Tage fördert übertrifft selbst die kühnsten Erwartungen. Doch seht selbst:
Vorab: Inhalt und Form sind im Film nicht voneinander zu trennen. Film, das ist auch Philosophie, nur in anderer Form. Denn das Wesen der Philosophie ist nicht allein die Sprache im Text, sondern eine Praxis, die (eben auch in Form von Filmen) vollzogen werden kann. Zum Philosophieren gehört das Beschreiben der möglichen Seinsformen, der Virtualitäten - das sind Gelegenheiten, Variationen immer neuer Darstellungen, die einen stetigen Prozess des Anschließens an Darstellungen ermöglichen und damit die Generierung eigener, neuer Darstellungen. Die überwältigende Wirkung des Kinofilms ermöglicht so eine Reflexion relevanter philosophischen Fragen in gleichnishafter Form.
Eines der gelungensten Beispiele einer solchen Reflexion ist Francis Ford Coppolas Apocalypse Now!. Die zweifellose Erhabenheit des Filmes bei erster Betrachtung führt zu Irritationen, die den Betrachter etwas ratlos zurücklassen, aber auch Ausgangspunkt potentiell unendlicher Analyse sein können, Was Apocalypse Now! zu einem philosophisch fassbaren Film macht ist seine Vielfalt der Gedanken, die Selbstreflexion des Films als Film, seine Prozesshaftigkeit und sein steter Bezug auf Philosophie, Film, Literatur, Geschichte und Kunst.
Apocalyse Now! ist keine realistische Darstellung des Vietnamkrieges, sondern vielmehr eine surreale und daher besonders überzeugende Reflexion zum Thema Krieg an sich. Die Apokalypse ist nicht das Ende, sondern vielmehr der von den Menschen selbst geschaffene Zustand der Welt. Gott ist tot, wurde getötet und niemand ist mehr da, der das Grauen beenden könnte. Kurtz, Gott, Philosoph, Heiliger, Soldat, Ziel und Fixpunkt des Filmes befindet sich jenseits der uns bekannten Welt, in einem permanenten Ausnahmezustand. Er weiß um die Unterscheidungen, aber stellt sich über alle Urteile und Wertungen. Er ist nur denkbar, nicht in dieser Welt lebbar, ist das ausgeschlossene Dritte, daher muss er getötet werden. Und so geht Willard, Hauptdarsteller und Ich-Erzähler, als Wahnsinniger zurück in die Welt. Doch die Denkbarkeit bleibt und damit auch die Paradoxien.
Es ist 12, ich bin gespannt was sich ändert.
Du bist gut drauf und mir ist kalt.
Und die Nacht legt sich in dunkle Gewänder,
doch das wird langweiliger von Jahr zu Jahr.
Und Deine Hand fühlt nach ob ich jetzt noch zweifel -
doch im Grunde ist es dir egal.
Ich bin bloß froh als wir den Ausgang erreichen -
und durch den Himmel tönt ein Knall.
Es ist nichts passiert -
aber wo sind die Anderen jetzt?
Du gibst mir Dein Bier und du sagst:
Es ist so egal.
Es ist so egal.
Es ist so egal.
Es ist scheißegal wo die anderen jetzt sind.
Zwei alte Damen glotzen blöd in der U-Bahn.
Du siehst Deinen Platz und lässt Dich fallen.
Du schaust hinaus und schweigst mich an bis zum Kudamm -
und dann stehst Du auf und ich auch.
Und in der Stadt die ganzen glücklichen Gesichter.
Ich mein, irgendwie gehören wir doch dazu.
Wir erzählen uns unsere stumpfen Geschichten -
wir sind soviel heut Nacht Ich und Du.
Hey, jetzt bleib mal stehen -
in ein paar Tagen sind wir weniger.
Ja ja, du wirst schon sehen.
Doch es ist so egal.
Es ist so egal.
Es ist so egal.
Ok, meinetwegen ist es egal, was ich denke, was in ein paar Tagen sein wird.
Und dies ist unsere Zeit!
Wir sind in dieser Nacht geboren!
Wie die Idioten aus dem Film hab ich mein Herz an Dich verloren...
Und ist dies das neue Jahr?
Du legst Deinen Kopf in meine Arme,
dein Hirn ruht sanft in meinen Händen und ich kann spüren, wie es sich bewegt.
Wir sind jetzt mittendrin -
es wird schwierig jetzt und warm!
Wenn wir hier zu lange stehen, kehren wir nie wieder zurück.
Doch wohin mit all dem Unsinn?
Vielleicht wird es gut wenn es jetzt hier endet.
Wir haben keine Wahl.
Wir rutschen tiefer und tiefer und tiefer,
Tiefer und tiefer und tiefer,
Tiefer und tiefer und tiefer ins Glück! (Gisbert zu Knyphausen, 2008)
"Und allen Plänen gegenüber begleitet mich die Frage: "Was soll der Unsinn?"; eine Frage, die überhaupt ganz und gar von mir Besitz zu nehmen droht."
(Fontane)